Ein Aufruf aus dem Rettungsdienst

Vergangene Woche berichteten wir über den tragischen und leider auch tödlichen Zwischenfall am Krefelder Hauptbahnhof. Tausende Menschen haben diesen Beitrag gesehen und dutzende haben ihn geteilt. In vielen Kommentaren wurde den Familien das Beileid ausgesprochen und das ihnen man ihnen möglichst viel Kraft zur Verarbeitung des Vorfalls wünscht. Dagegen sei ja auch nichts zu sagen.

Doch was ist mit den Rettungskräften, denen welche als erste am Unfallort eintreffen und zum Dinge sehen die man eigentlich gar nicht sehen möchte. Natürlich darf man nicht zimperlich sein in dem Job und man sollte auch einiges sehen und teilweise auch riechen können ohne gleich zu erbrechen. Doch es gibt Notfälle zu denen man gerufen wird, die vergisst man nicht. Oft unter dem „harmlosen“ Stichwort HILOP (Hilflose Person) oder die Türöffnung weil die Angehörigen oder Nachbarn seit Wochen nichts mehr von der Person gehört haben rücken die Einsatzkräfte an und treffen oft auf schon seid mehreren Tagen verwahrloste Personen, Leichen, Messis. Der Müll türmt sich teilweise Hüfthoch und es riecht nach allen Möglichen. Oder wie hier in Krefeld vergangene Woche ein Schwerverletzte Person nachdem sie vom Zug erfasst wurde. Allein wenn der Melder geht mit so einem Stichwort kann einem schon ganz anders werden, doch es bringt nichts, innerhalb von 90 Sekunden muss das Rettungsmittel rollen, mit Blaulicht und Martinhorn geht es zur Unfallstelle. Das Bild was die ersteintreffenden Kräfte erwartet geht ihnen oft schon auf der Anfahrt durch den Kopf. Bei so einem Notfall muss man damit rechnen das Teile des menschlichen Körpers nicht mehr wiederzuerkennen sind oder gar nicht mehr direkt vorhanden. Es klingt makaber aber schönreden bringt es an dieser Stelle nicht. Die Rettungskräfte verschaffen sich nach dem Eintreffen zuerst ein Bild von der Lage, gucken lebt die Person noch?. Anschließend wird mit der Behandlung begonnen, auch wenn man innerlich weiß, die Person wird es eh nicht schaffen, man versucht alles die Person am Leben zu erhalten, erste Verletzungen zu Versorgen und sie stabil in den Rettungswagen zu bekommen. Diese Bilder prägen sich oft ein. Doch oft bleibt keine Zeit diese zu verarbeiten, ist der Patient abgeliefert und der Status 1 gedrückt kann es schnell passieren das der Melder wieder geht und man sich wieder auf eine neue Situation einstellen muss. Ist die Zeit vorhanden wird mit den Kollegen über den Einsatz gesprochen, wer mag kann sich auch professionelle Hilfe holen. Früher noch ein Tabu Thema ist dies zum Glück heute nicht mehr so. Ich möchte mich als Redaktionsgruppenleiter aber auch als ehrenamtliche Einsatzkraft bei allen Rettern bedanken und meine Anerkennung zeigen. Das was ihr jeden Tag seht und erlebt ist bei weitem nicht leicht. Doch egal wo ein Mensch Hilfe braucht, egal wie alt, welche Hautfarbe, welche Nationalität. Ihr seid da!. DANKE!