Leben retten ohne Bezahlung – Ehrenamt im Katastrophenschutz

Wer würde bei den großen Bränden, Unwetterlagen, Chemieunfällen und Großschadenslagen mit vielen Verletzten so viel Personal stellen können? Wenn man sich nur kurz vor Augen führt, wer da täglich die vielen Einsätze bewältigt und das Rückrat jedes Großeinsatzes ist, dann stellt man schnell fest: Ohne Ehrenamtliche Einsatzkräfte geht es nicht.

„Für mich. Für Alle.“ So lautet der Leitspruch der Werbekampagne des Landes NRW für die Freiwilligen Feuerwehren. Seit vergangenem Jahr läuft diese Aktion um neue Mitglieder in die Wehren zu bekommen. Jetzt zieht NRW Innenminister Herbert Reul (CDU) bei den Hilfsorganisationen nach und will diese aktiv bei der Mitgliedergewinnung unterstützen. Rund 118.00 Mitglieder engagieren sich in Nordrhein Westfalen in den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ehrenamtlich. Alleine 80.000 fallen dabei auf die freiwilligen Feuerwehren zurück, weiter 20.000 auf Johanniter, ASB, DRK und Malteser sowie 18.000 auf das Technische Hilfswerk. Aufgrund des demografischen Wandels wird es immer schwieriger die Sollstärken zu erreichen. Reul sieht hier eine Schwachstelle des Katastrophesnchutzes. Die größten Katastrophen-Risiken hierzulande sind demnach Extremwetter, Hochwasser, Chemieunfälle, Pandemien, Tierseuchen sowie der Ausfall wichtiger Infrastrukturen etwa in der Telekommunikation oder in der Stromversorgung. Laut Reul funktioniere der Katastrophenschutz in NRW gut. Schaut man jedoch genau hin und recherchiert als Sachkundiger, stellt man schnell fest. Die soll Stärke kann bei weitem nicht immer erreicht werden. Oft müssen mehrere Einheiten alarmiert werden um die Sollstärke zu erreichen. Dieses Phänomen betrifft alle Organisationen. Die Zahlen werden zum Teil mit Karteileichen geschönt, man hat das Gefühl keiner möchte sich eingestehen wie dramatisch die personelle Situation ist.

Situation in Krefeld

Schauen wir uns des Katastrophenschutzes der Stadt Krefeld mal genauer an. Leitorganisation ist hier die kommunale Feuerwehr. Desweiteren mischen noch das Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter Unfall Hilfe und das THW mit. Desweiteren gibt es noch mehrere Ortsgruppen der DLRG und eine Rettungshundestaffel. Die letzten beiden sind jedoch nicht aktiv in Konzepte der Stadt Krefeld eingebunden und müssen extra alarmiert werden.

Wenn man sich nur kurz vor Augen führt, wer da täglich die vielen Einsätze bewältigt und das Rückgrat jedes Großeinsatzes ist, dann stellt man schnell fest: Ohne Ehrenamtliche Einsatzkräfte geht es nicht.

Doch welche Aufgaben, nehmen die Ehrenamtlichen Kräfte überhaupt wahr?

In Krefeld gibt es eine Berufsfeuerwehr welche durch sechs freiwillige Feuerwehren unterstützt wird. Ebenfalls kann in Krefeld auf ehrenamtliche Einsatzkräfte des Roten Kreuzes, der Malteser, der Johanniter, der DLRG und des Technischen Hilfswerk sowie der freien Rettungshundestaffel zurückggegriffen werden.

Schauen wir uns die Aufgaben der einzelnen Organisationen etwas genauer an.

Die freiwilligen Feuerwehren in Krefeld sind nicht 24 Stunden in Alarmbereitschaft, ausgenommen sind Großeinsätze. Der Löschzug Hüls jedoch hat seinen eigenen Wachkreis und führt Einsätze auch alleine durch und ist dabei 24 Stunden einsatzbereit. Die anderen Einheiten sind von 17 bis 6 Uhr morgens und am Wochenende ganztags alarmierbar. Neben den klassischen Aufgaben der Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung, nehmen die Floriansjünger auch Sonderaufgaben, wie zum Beispiel Brandsicherheitswachen, Wasserförderung, Messen von gefährlichen Stoffen und Wasserförderung. Aber auch die Jugendfeuerwehr darf man nicht vergessen. Viele Mitglieder Freiwilligen Feuerwehren werden in Krefeld über die Jugendfeuerwehren gewonnen bzw übernommen.

Die Hilfsorganisationen in Krefeld nehmen ebenfalls unterschiedlichste  Aufgaben wahr:

Die Kräfte des Roten Kreuzes zum Beispiel haben einen Schwerpunkt im Bereich Betreuung, stellen aber Sanitätskräfte oder zum Beispiel eine Wasserrettungskomponente. Aber auch Information und Kommunikation gehören dazu. Der Malteser Hilfsdienst hat seinen Schwerpunkt im Rettungsdienst und stellt eine so genannte „SEG“ eine Schnelle Einsatz Gruppe Rettungsdienst die zum Beispiel einen Großteil des Krefelder Patiententransportzuges ausmacht. Außerdem stellen die Malteser einen Dekonterminationszug des Katastrophenschutzes. Bei den Johannitern sieht es ähnlich aus. Auch ihr Schwerpunkt liegt auf dem erweiterten Rettungsdienst. Sie stellen im Bedarfsfall mehrere Rettungs- und Krankenwagen. Eine Sache welche alle drei Organisationen wahrnehmen ist der Sanitätsdienst. Ob kleine oder große Veranstaltungen. Ob Straßenfest oder Straßenkarneval. Ohne die ehrenamtlichen würden diese Veranstaltungen nicht stattfinden. Die DLRG ist nicht direkt im Krefelder Katastrophenschutz eingebunden. Dennoch sichern die ebenfalls ehrenamtlichen im Sommer im Wechsel mit der DRK Wasserwacht den Elfrather See ab und sind teil eines Wasserrettungszuges des Landesverbandes. Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk ist auch in Krefeld mit einem großen Ortsverband vertreten. Zwei technische Züge und zwei Fachgruppen stellt der Ortsverband. Oft werden sie bei Kontrollaktionen der Polizei zur Ausleuchtung angefordert oder unterstützen bei Unwetterlagen. Nachwuchs generiert das THW hauptsächlich aus der eigenen, großen Jugendabteilung.  Zu guter letzt aber nicht zu vergessen gibt es noch eine freie Rettungshundestaffel die im Bedarfsfall ebenfalls zur Personensuche auf Flächen oder in Trümmern eingesetzt werden kann.

Wie man sehen kann, erfüllen die ehrenamtlichen ein sehr großes Aufgabenfeld, in ihrer Freizeit um den Schutz der Stadt und die Sicherheit jedes einzelnen Bürgers zu gewährleisten. Doch Sie haben alle ein Problem. Sie kämpfen um Nachwuchs, der sie unterstützt diese ganzen Aufgaben zu erfüllen. Dafür tun die Organisationen viel in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Auf Social Media, auf Aktionstagen oder bei einem Tag der offenen Tür.

Jetzt sollen sie auch mehr Unterstützung vom Land erhalten, sagt der Innenminister Herbert Reul.

Bericht: Leonhard Giesberts    Redaktion: Benjamin Lieb/ Janis Jansen

Ein Kommentar

von Leonhard Giesberts (Redaktionsleiter BNK und Katastrophenschützer)

Es muss mehr Transparenz im Katastrophenschutz geschaffen werden. Die Schönung von Mitgliederzahlen bzw. von einsatzbereitem Personal kann im Schadensfall zu schwerwiegenden Folgen führen. Wenn Organisationen nicht das Personal haben, um gewisse Einheiten/Verbände zu stellen, müssen diese es sich eingestehen und Notfalls Teileinheiten an andere Organisationen abtreten. Auch die Doppelfunktion und Mitgliedschaft in zwei Organisationen führt zu falschen Zahlen. Zwar wird es nicht gerne gesehen wenn man in zwei Organisationen gleichzeitig tätig ist, doch die Praxis zeigt, dass es immer noch zahlreiche Fälle gibt.